New Kids on the Web
Staffel 1 Folge 2

New Kids on the Web

Für uns ist das noch ein relativ neues Konzept. Denn heute geht’s um die New Kids on the Web – die Kinder, die im Internetzeitalter aufwachsen. Sie werden groß mit einer Technik, die für ihre Eltern immer noch irgendwie neu ist. Und sie wissen diese Technik auch einzusetzen. Jugend-Bewegungen wie Fridays for Future wäre ohne die Möglichkeit der digitalen Vernetzung wohl kaum denkbar. Tatsächlich landen viele Kinder schon im Netz, bevor sie das Wort ‘Browser’ überhaupt aussprechen können. Das liegt dann meist an den Eltern. Kinderfotos, die früher ins Familienalbum geklebt worden wären, landen heute gerne mal auf Instagram. Toyah Diebel hat das mit #DeinKindAuchNicht auf schockierende Weise sichtbar gemacht. Mit ihr und Björn Krass haben wir uns unterhalten. Hört gleich rein! Weiteres Material zur Sendung

Weiteres Material zur Sendung

Hier findest du alle weiteren Informationen zu unseren Gästen, weiterführende Literatur und natürlich Links zu Tools, die dir und deiner Familie dabei helfen, online sicherer unterwegs zu sein. Wenn du noch Fragen hast, melde dich gerne bei uns unter awebpodcast@mozilla.com

Gäste

Toyah Diebel ist “Insta-Mom-Feind-No1” sagt das NeoRoyal Magazin mit Jan Böhmermann. Ihre Aktion #DeinKindAuchNicht hat richtig hohe Wellen geschlagen: Von Mega Love zu nicht so viel Love war da alles dabei. Solltet ihr euch unbedingt ansehen (Achtung: Die Bilder können verstörend sein - bitte nicht mit Kindern ansehen.)

Bjoern Krass ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von BLN.FM sowie Gründer und Teilhaber von Thaler & Rehor - Stimmbildung und Sprecherausbildung. Seit 2014 lehrt er in den Fachbereichen Medienmanagement und Creative Industry Management an der Hochschule der populären Künste (hdpk) in Berlin. An der Thomas-Münster-Grund- und Oberschule in Ziesar unterrichtet er das Fach Journalismus/Medienpädagogik. Zusammen mit dem Kindheitspädagogen Vinzenz Rothenburg hat er ein praxisnahes Medienkompetenz-Training entwickelt, um Kindern und Eltern gleichermaßen an einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien heranzuführen.

Nützliche Tools Schutz vor Tracking: Schütze Deine Familie maßgeschneidert, in dem du einstellt, wie viel du von eurer Reise durchs Internet teilen möchtest. In diesem Artikel findest du ganz einfach erklärt, wie das geht.

Firefox Monitor: Wir haben ein Tool entwickelt, das dir und deiner Familie dabei hilft, schnell zu reagieren, wenn eure Daten doch mal Teil einer Datenpanne geworden sind: Firefox Monitor. Finde heraus, was Hacker bereits über euch wissen und erfahre, wie ihr ihnen in Zukunft einen Schritt voraus sein könnt. Jetzt ausprobieren.

Weiterführende Links

Was viele gar nicht wissen: Tatsächlich kann das Internet ganz kinderfreundlich sein. Es gibt zahlreiche Kinderseite im Netz. Seitenstark e.V hat für einen einen schönen Artikel darüber geschrieben, was es für Seiten gibt und wie ein sicherer Umgang mit dem Internet für Kinder aussehen kann. (Kommt bald!)

Transkript

[Spielplatzlärm und Kinderlachen sind zu hören. Im Hintergrund, weiter entfernt: Die Geräusche der nächsten Straße]

Anja: Als ich zehn Jahre alt war, da hab’ ich am liebsten stundenlang gelesen oder, und ja klingt komisch, ‘nen Ball gegen eine Wand gedroschen und dabei so getan als sei ich Mila Superstar. Und wie war das bei dir, Alice?

Alice: Die ehrliche Antwort wäre, dass ich erschreckend viel Zeit vor meinem Computer mit sonderbaren, nicht altersgerechten Spielen verbracht hab :D Da konnte ich mich stundenlang mit beschäftigen.

Ja, und wie war das bei dir? Warst draußen, Fußball spielen oder Fahrradfahren? Oder warst du eher ein Fernsehkind? Musstest du zu Hause mithelfen, oder konntest du den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen?

Sicher ist: Keiner von uns war wie der Hayden aus den USA. Mit gerade mal zehn Jahren ist Hayden der vielleicht jüngste Social Media Manager der Welt. Sein einziger Kunde: Er selbst.

[Instagram Sound-Effekt]

Vor ein paar Jahren hat Hayden rausgefunden, dass das Internet ihn schon längst kennt. Seine Eltern haben nämlich von klein auf Fotos von ihm bei Instagram gepostet. Sie benutzen sogar einen eigenen Hashtag dafür, so dass alle diese Fotos mit einem Klick auf der Plattform zu finden sind. Genau diesen Hashtag überwacht Hayden jetzt, um sicher zu gehen, dass seine Eltern nichts Peinliches posten.

Das hat er der Journalistin Taylor Lorenz erzählt. Für das US-Magazin The Atlantic hat sie über Kinder geschrieben, deren ganzes Leben im Internet zu finden ist. Nach Gesprächspartnern musste sie nicht dabei nicht lange suchen. Für viele Kinder ist das Internet nämlich längst zum liebsten Treffpunkt und Spielplatz geworden.

[Intro-Musik]

Anja: Hi, ich bin Anja.

Alice: Und ich bin Alice. Ihr hört [a:web], den neuen Podcast von Firefox. Firefox setzt sich seit fast 20 Jahren für ein freies Internet ein, das von allen Menschen gleichberechtigt gestaltet werden kann. Das finden wir heute ganz besonders wichtig, denn eine Grenze zwischen online und offline gibt es nicht mehr. Es gibt kein digitales und ein physisches Ich – es gibt nur noch… mich eben.

Anja: Für uns ist das noch ein relativ neues Konzept. Heute geht’s aber nicht um uns, sondern um die New Kids on the Webs – die Kinder, die im Internetzeitalter aufwachsen. Sie werden groß mit einer Technik, die für ihre Eltern immer noch irgendwie neu ist. Und sie wissen diese Technik auch einzusetzen. Jugend-Bewegungen wie Fridays for Future wäre ohne die Möglichkeit der digitalen Vernetzung wohl kaum denkbar.

Alice: Tatsächlich landen viele Kinder schon im Netz, bevor sie das Wort ‘Browser’ überhaupt aussprechen können. Das liegt dann meist an den Eltern. Kinderfotos, die früher ins Familienalbum geklebt worden wären, landen heute gerne mal auf Instagram.

Das ist irgendwie nachvollziehbar – schließlich will Tante Inge in Buxtehude ja auch gern sehen, was ihr Lieblingsneffe so macht – aber irgendwie auch ziemlich creepy. Viele Instagram-Accounts sind nun mal öffentlich, und das heißt, dass neben Tante Inge auch der Rest der Welt diese privaten Familienfotos ansehen kann. Dazu kommt, dass die Kinder, die da gepostet werden, gar nicht wissen, was mit ihnen passiert. Wie der kleine Hayden, von dem wir eben gehört haben, werden auch sie irgendwann feststellen, dass sie im Internet schon lange bekannt ist.

Anja: Die Internet-Aktivistin Toyah Diebel fand es immer schon komisch, wie leichtfertig im Netz mit Bildern von anderen umgegangen wird. Wahrscheinlich auch deshalb verbindet sie mit Instagram eine innige Hassliebe. Obwohl Toyah die Plattform selbst ausgiebig benutzt, macht sie sich auch oft und gern darüber lustig. Vieles findet sie allerdings auch gar nicht zum lachen.

Toyah Diebel: Eigentlich hat das Ganze angefangen allgemein mit Bildern von Personen, die nicht wissen dass sie abgebildet werden. […] Wir kennen das alle: Es ist oft super lustig wenn Leute kleine Stories filmen, auf Instagram zum Beispiel, wo jemand hinfällt oder […] ‘n Baby kriegt ‘ne Scheibe Käse ins Gesicht geschmissen. Die Leute wissen das aber meistens nicht, dass sie gefilmt werden oder im Internet landen. Und da hab’ ich mich gefragt: Ist das rechtlich eigentlich möglich?

Ja! Isses. Es ist recht möglich bei Kindern. Aber warum ist das so? Und kann man da was dagegen machen? Und deswegen habe ich das Projekt gestartet , weil ich dachte, es kann nicht sein, dass sich niemand dafür einsetzt , dass die Rechte dieser Menschen – in dem Fall, Kinder – geschützt werden.

Alice: Das Projekt, von dem Toyah spricht, trägt den Titel, „Dein Kind auch nicht“. Ich würde wetten, du hast schon davon gehört. Das Ganze hat nämlich ganz schöne Wellen geschlagen. Dabei ist die Idee denkbar einfach: Um zu zeigen, wie seltsam sie es findet, wenn private Kinder-Fotos auf der elterlichen Instagram-Seite öffentlich gezeigt werden, hat Toyah ein paar solcher Fotos nachgestellt – mit erwachsenen Models.

Toyah Diebel: Es gibt ja nur zwei Modelle in diesem Projekt: Das eine bin ich – Überraschung! – und der andere junge Herr ist Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Das ist ein Freund von mir, der selber auch Kinderschauspieler war und mittlerweile Schauspieler ohne Kind ist. Der fand die Idee des Projekts total super, von Anfang an, und hatte sich sofort bereit erklärt, auch da mitzumachen, auch ohne jetzt tatsächlich genau zu wissen, was er machen muss. Ich hatte ihm das zwar vorher so’n bisschen erklärt – „Hm, ja, es kann sein, dass du dich eventuell mal auf’n Topf setzen musst“ und so. Dass er dann aber wirklich splitterfasernackt auf’m Baby-Topf sitzt mit ‘ner Windel […], so war das eigentlich gar nicht geplant und das war auch für uns alle sehr skurril. Natürlich ist es für die Kunst…

… aber ich brauch’, glaube ich, niemandem erzählen, wie merkwürdig das ist, sich vor anderen Leuten nackt […] auszuziehen.

Und noch weniger muss ich, glaub’ ich, erklären, wie merkwürdig das ist als erwachsene Frau an der Brust von einer anderen erwachsenen Frau zu saugen, wenn man keine sexuelle Vorliebe dafür hat. Also, war auch für mich merkwürdig.

Anja: Toyah wollte mit ihren Fotos provozieren, um sich nicht zwischen immer neuen viralen Posts zu verlieren. Aber es war nicht nur eine Frage des Schocks.

Toyah Diebel: Ich sehe das Projekt definitiv als künstlerisch an, allein weil ‘ne Freundin von mir, die Delia Baum, die Fotos gemacht hat mit ‘nem hohen künstlerischen Anspruch. Das war mir wichtig, weil ich finde, dadurch, dass die Bilder so ‘magazinesek’ aussehen […], dadurch, dass die so Hochglanz sind, ist das Motiv noch mal skurriler.

Alice: Die überzogene Präsentation der ungewöhnlichen Bilder verfehlte ihre Wirkung nicht: Ganz ohne Sponsoren und Werbung ging ‘Dein Kind nicht auch nicht’ direkt von null auf hundert. Wie das passiert ist – das weiß Toyah bis heute selbst nicht so genau.

Toyah Diebel: Tatsächlich war so, dass ich am Montag […] vor vier Wochen, glaube ich, das Projekt online gestellt habe…

… und seit der gleichen Sekunde ist dieses Projekt explodiert. Ich hab’ mir das natürlich selber gewünscht, aber ich glaube niemand wagt es, darüber nachzudenken, dass das, was man selbst tut, viral geht. Das war natürlich für mich das Non-Plus-Ultra, das etwas, wofür ich mich einsetze, ein Thema, was mir wichtig ist, so hohe Aufmerksamkeit generiert.

Alice: Das Feedback auf die Foto-Aktion ist bis heute nicht abgerissen. Der Großteil der Nachrichten fällt dabei positiv aus. Viele Eltern haben sich bei Toyah sogar für das Projekt bedankt – weil es sie dazu gebracht hat, über das Posten von Kinderfotos nochmal nachzudenken.

Toyah Diebel: Das sind wirklich wahnsinnig viele Nachrichten, die ich bekommen habe, […] dass Menschen gesagt haben: Mensch, ich hab’ jetzt jahrelang ‘nen Mama-Blog geführt, hab’ meine Kinder gezeigt…

… aber mir ist klar geworden, ich möchte das eigentlich nicht.

Viele Eltern haben einfach eingesehen, dass sie ihre Kinder Gefahren aussetzen.

Anja: Fehler einzusehen und die eigenen Gewohnheiten zu ändern – das ist nicht immer einfach. ‘Dein Kind auch nicht’ hat viele Leute aber genau dazu gebracht. Nicht schlecht für ein paar Bilder bei Instagram, oder?

Alice: Natürlich gab es bei so einem kontroversen Thema nicht nur positive Meinungen. Wenn es um Kinder geht, kochen schnell die Emotionen hoch. Dass nicht jeder ihr Projekt lieben würde, war Toyah von Anfang an klar. Niemand fühlt sich gern provoziert. Kunst ist halt immer auch Geschmackssache. Ist das Kunst oder kann das weg? Am Ende muss und soll das jeder für sich selbst entscheiden. Toyahs Ziel war es, eine Diskussion in Gang zu setzen – eine Diskussion, die sie für längst überfällig hält. Und das ist ihr auf jeden Fall gelungen.

Toyah Diebel:

[…] Das Lustige ist, das sind halt natürlich Mama-Blogger oder halt Eltern, die ihre Kinder ins Internet stellen. […] Würden die das Projekt nicht blöd finden, wäre es ja auch total sinnbefreit, denn dann müssten sie sich ja selber eingestehen, dass sie ‘nen Fehler machen.

Und ich glaube, dass […] vor allem Eltern sich sehr schwer tun zuzugeben, dass sie vielleicht gerade in der Handhabung ihre Kinder Fehler machen. Ich bin aber einfach der Meinung, dass nur, weil man halt Kinder kriegen kann – also: Toll, Glückwunsch! – […] bedeutet das nicht, dass man immer alles richtig macht. Und gerade im Bezug auf digitale Medien und Medienkompetenz, muss ich sagen:**

Wenn Du Dich nicht auskennst, dann gibst du dieses Nicht-Auskennen an deine Kinder weiter und machst Fehler, Fehler, Fehler. Und das sind die Leute die sich aufgeregt haben, die gegen das Projekt sind, und mich stört das ehrlich gesagt gar nicht, weil das einen Diskurs auslöst und die Leute miteinander reden.

[Musikalische Überleitung]

Anja: Toyah Diebel wünscht sich ein Internet, in dem Erwachsene Kinder nicht leichtfertig zur Schau gestellt werden stellen. Viele Kinder müssen aber auch gar nicht von Erwachsenen ins Netz geschubst werden – sie drängen von ganz allein da hin.

Ein Viertel der Kinder unter sechs besitzt heute schon ein eigenes Smartphone. Und viele von ihnen haben da auch uneingeschränkten Zugriff drauf. Einer aktuellen Umfrage zufolge glaubt fast die Hälfte der deutschen Eltern, dass ihre Kinder sie noch vor dem zehnten Lebensjahr überholen werden, was technisches Know-How angeht.

Alice: Was ihre Kinder im Netz so treiben, das können viele Eltern gar nicht mehr so richtig greifen. Da machen sie auch keinen Hehl draus.

[Geräusche aus einem Café im Hintergrund]

Vox Pop #1: Also, Meine Kleene ist bei, äh, Tik Tok. (lacht) Tik Tok heißt das, oder? Das mit den Musikvideos?

Vox Pop #2: Also, meine Tochter ist elf, und die hat jetzt ihr eigenes Profil bei Instagram. Ich fand das jetzt nicht sooo prickelnd, ehrlich gesagt. Aber ihre Freundinnen machen das auch alle, von daher…

[Schulklingeln. Eine lärmende Klasse ist im Hintergrund zu hören.]

Anja: Bjoern Krass kennt sich aus mit Medien. Mit neuen genauso wie mit alten. Was er in seiner 20-jährigen Laufbahn als Journalist gelernt habt, gibt er jetzt an Hoch- und Grundschulen an die nächste Generation weiter.

Schon aus beruflichen Gründen ist Bjoern auf fast allen gängigen Online-Plattformen vertreten. Und alle seine Accounts sind öffentlich. Deswegen überlegt er aber auch ganz genau, was er postet. Sein zehnjähriger Sohn gehört nicht dazu. Selfies mit Kind, Erinnerungs-Fotos von Schulaufführungen – das sucht man auf Bjoerns Profilen vergeblich. Er vermeidet es sogar, den Namen seines Sohnes zu nennen. Der soll nämlich irgendwann selbst entscheiden, ob und wie er sich der Online-Welt präsentieren will. Allzu lange wird dieser Moment wohl nicht mehr auf sich warten lassen.

Bjoern Krass: Die Generation Alpha, also die Kinder, die heute 8, 9 Jahre alt sind – die wachsen mit dem Internet auf. Und dadurch eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Kinder können sich neue Themengebiete wahnsinnig schnell erschließen, und im Gegensatz zu vielen Erwachsenen nehmen sie Neuerungen eigentlich immer dankbar an.

Wir reden davon, schnell mal was zu übersetzen, schnell mal was rauszufinden, schnell mal ein passendes Bild zu finden. Wenn man den Kindern die Technik dazu an die Hand gibt und sie zu Anfang anständig führt, dann ist das ‘n Selbstläufer. Dann brauch’ ich auch keine Angst haben, dass irgendein Pädophiler das Kind im nächsten Chatroom direkt abgreift. So klug sind Kinder dann schon.

Anja: Das Internet bietet Kindern heute Möglichkeiten an, von denen wir in dem Alter nicht mal geträumt hätten. Klingt erstmal super. Aber genau da sieht Bjoern Krass auch ein großes Problem. Er sagt: Zwischen den Generationen ist da eine riesige Wissens- und Kompetenzlücke entstanden.

Bjoern Krass: Kinder wissen und verstehen jetzt schon teilweise viel mehr als ihr Eltern. Das heißt aber oft auch, dass sie sich alles allein erarbeiten müssen. Viele Erwachsene haben den Medienwechsel, der im letzten Jahrzehnt stattgefunden hat, ganz einfach verpasst. Das merken die Kinder auch ganz schnell und sprechen solche Themen dann gar nicht mehr an. Und das kann eigentlich überhaupt nicht sein. Menschen, die Autoritätspersonen oder Vorbilder für Kinder sind, müssten sich mit dieser Thematik ganz intensiv beschäftigen – und zwar schon, bevor Kind zum ersten Mal in Berührung kommt mit Smartphone, Social Media und Co.

Wenn ich ‘nem Siebenjährigen einfach ‘n iPhone in die Hand drücke und sage, „Hier, viel Spaß!“ – das ist ungefähr so, als würde ich dieses Kind mit ‘nem Sack voll Kleingeld auf’m Rummelplatz abstellen und mich verkrümeln. Das Internet ist letztendlich nichts anderes als ein riesiger, blinkender Vergnügungspark, wo grundsätzlich erstmal alles möglich ist.

Alice: Rummel – das klingt nach Spaß. Und natürlich lässt sich auch jede Menge Spaß haben im Netz. Gleichzeitig ist es aber auch ein öffentlicher Raum, der noch lange nicht so ausführlich reguliert ist wie die physische Welt. Für verantwortungsvolle Erwachsene ist das toll. Kinder kann die Fülle an Möglichkeiten aber auch schnell überfordern.

Bjoern Krass: Kinder sind eine wahnsinnig begehrte Zielgruppe. Die werden überschwemmt mit Angeboten und Inhalten – aber kein Mensch erklärt ihnen, wie das funktioniert, wie sie das einordnen sollen.

Dann kriegt halt ein schön produziertes Verschwörungsvideo auf YouTube dasselbe Gewicht wie die Tagesschau. Und der coole Typ auf Instagram, dem glaub’ ich viel mehr als meinen Lehrern oder meine Eltern, denn der ist ja viel näher dran an mir – zumindest empfinde ich das so als Kind. Vor kurzem hatte ich auch Erst- und Zweitklässler im Unterricht sitzen, die bitterlich geweint haben wegen irgendwelcher Kettenbriefe, die sie per WhatsApp bekommen haben: ‘Wenn du diese oder jene Mutprobe nicht machst, dann stirbt dann Mama’, und so weiter. Für ‘nen Erwachsenen klingt das völlig bescheuert, aber für so’n Kind ist das ein ernstzunehmendes Problem. Da war kein Unterricht mehr möglich. Wir mussten das dann erstmal besprechen.

Wir neigen dazu, Kinder als kleine Erwachsene zu behandeln, weil sie technisch schon ganz früh ganz weit sind. Das ist aber ein großer Fehler – nur weil ein Kind weiß, wo es klicken muss, damit was passiert, heißt das noch lange nicht, dass es auch versteht, was da eigentlich passiert.

Anja: Das Smartphone gehört zu den wichtigsten Arbeitsgeräten im Alltag von Bjoern Krass. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – hält er wenig von Smartphones in Kinderhänden. Da vertritt er eine ganz klare Linie.

Bjoern Krass: Ich werd’ mich jetzt bei einigen sehr unbeliebt machen, aber: Ich glaube, ein kompetenter Umgang mit Smartphones, mit sozialen Netzwerken und so weiter ist vor der vierten Klasse gar nicht realistisch machbar. Das schaffen die Kinder rein gedanklich, von der geistigen Anforderung her nicht.

Ich würde Eltern tatsächlich raten, ihrem Kind bis 13, 14 kein Smartphone zu kaufen. Das Kind kann gern ein Handy haben, um zu telefonieren und auch ganz old-school SMS zu schreiben, aber alles andere muss nicht sein im Alltag. Das kann dann meinetwegen am Wochenende stattfinden, auf dem Smartphone der Eltern oder auf einem Familien-Tablet oder sonstwo. Da können die Kinder dann gemeinsam mit den Eltern auch erste Schritte machen auf diesen Plattformen und haben gleichzeitig einen geschützten Rahmen.

Das setzt natürlich voraus, dass Eltern, Lehrer und so weiter sich auch tatsächlich mal mit diesen ganzen Plattformen und den digitalen Medien beschäftigt haben. Und da beißt sich im Moment die Katze in den Schwanz.

Outro

Anja: Die Zukunft gehört den Kindern. Und das Internet sowieso. Ganz allein lassen sollten die Erwachsenen sie dort aber nicht. Ein paar Tipps und Tricks können die Kids auch in der digitalen Welt gut gebrauchen, um sich im Netz sicher zu bewegen.

In der Desktop-Version von Firefox findet Ihr Datenschutz-Einstellungen, die es in anderen Browsern so nicht gibt. Vielen Formen des Trackings könnt Ihr so verhindern. Mit wenigen Klicks lassen die Datenschutzmaßnahmen sich optimal für Eure Situation und Eure Familie einstellen.

Der Firefox Monitor warnt Euch frühzeitig vor Datenschutzverletzungen, die Euch betreffen könnten. So seid Ihr im Bestfall auch Hackern und Betrügern einen Schritt voraus. Kommt es auf einer Plattform, die Ihr nutzt, zu einem Datenschutzverletzung, könnt Ihr so alle Passwörter schnellstmöglich ändern.

Alice: Ohne Kinder und Jugendliche wäre wohl auch die Influencer-Kultur, wie wir sie kennen, so nie zustande gekommen. Beim nächsten Mal geht’s darum, wie der Job eines Influencers eigentlich aussieht. Dazu sprechen wir mit Oguz Yilmaz, der dieses Leben kennt wie kaum ein anderer.

Oguz ist sowas wie ein YouTube-Pionier. Zusammen mit zwei Freunden hat er Y-Titty betrieben, den erfolgreichsten deutschen Comedy-Kanal auf YouTube. Die Videos der Jungs wurden über eine Milliarde mal geklickt. Außerdem haben sie ein Album veröffentlicht, einen Echo gewonnen und auch sonst so einiges erlebt. Wie das so ist, wenn man plötzlich berühmt ist wie ein Filmstar, das hört ihr beim nächsten Mal in [a:web]. Bis dahin…

Anja/Alice: Habt eine schöne Zeit!

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